Der Casanova von Much

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Was kann einem Mittdreißiger Besseres passieren, als in Much zu wohnen, wo auf dem internationalen Flughafen alle Fluglinien der Welt verkehren? Denn das bedeutet auch die Anwesenheit jeder Menge attraktiver und einsamer Stewardessen. Da wäre Andy doch dumm, wenn er sich nur auf eine einzige Frau festlegen würde, muss er doch nur die Flugpläne kennen und schon kann er gleich drei Damen parallel glücklich machen. Excel macht’s möglich, denn in der Tabelle sind alle Start- und Landezeiten der drei unterschiedlichen Fluggesellschaften penibel verzeichnet. Doch es kommt, wie es kommen muss: Höhere Gewalt sorgt für Änderungen in den Flugzeiten – und schon nimmt das Unglück seinen Lauf. Alle drei „Verlobten“ landen fast zur gleichen Zeit in Andys Mucher Wohnung.

Das Gesetz der Komödie schlägt erbarmungslos zu bei „Boeing Boeing“. Marc Camolettis Lustspiel in drei Akten ist ein Klassiker, der bereits 1960 in Paris uraufgeführt wurde. Das war eine Zeit, als die Jets aufkamen und Stewardessen noch liebreizende naive Dinger waren. Die französische Boulevardkomödie, die nach ihrer Übersetzung sieben Jahre am Broadway gespielt wurde, lieferte auch die Vorlage für eine gleichnamige amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 1965. 1991 schaffte sie es sogar als weltweit meistgespieltes französisches Theaterstück ins Guinness Buch der Rekorde und erlebte 2008 ein Revival am Broadway – und nun beim Theaterverein „Die Mimen“, www.diemimen.de, in Much. Dort war sie schon einmal in der engeren Auswahl bei den Lesungen, die jedes Jahr im Frühjahr als Vorauswahl für die nächste Aufführung stattfinden, hatte aber gegen ein anderes Stück verloren und wurde nun wieder aufgegriffen.

Was jeweils mit den Lesungen beginnt, bei denen sich nach und nach die Darsteller aus den rund 20 aktiven der etwa 80 Mimen-Mitglieder herauskristallisieren, artet spätestens nach den Sommerferien in richtige Arbeit aus. Ab diesem Zeitpunkt proben die Hobby-Schauspieler wöchentlich und ab Ende September sogar zweimal wöchentlich das ausgewählte Stück. In diesem Jahr „mimen“ unter der bewährten Regie von Marita Schlimbach, die von Profi Heike Bänsch unterstützt wird, Falko Wachendorf den Schwerenöter Andy, Thomas Dietz seinen Freund Robert, Corinna Elscher, Nadine Müller und Corinna Schmidt die Stewardessen und Steffi Krakowski die Hausdame Elli.

Letztere hat es besonders schwer. Schließlich wurde sie nicht dafür eingestellt, nach jeder Frau die Wohnung wieder in ihren Urzustand zu versetzen, worüber sie sich lautstark beschwert und schließlich sogar kündigt. Der Ansturm dreier verschiedener Temperamente mit höchst unterschiedlichen (Menü-)Geschmacksrichtungen ist einfach zuviel für die Gute. Da nutzt auch Kumpel Robert nichts, der aus der Eifel angereist ist und dem Casanova unter die Arme greift und, im wahrsten Sinne des Wortes, die Damen abnimmt.

Wer die Mimen kennt, weiß, dass er sich nach der Premiere am vergangenen Wochenende am 18., 19. und 20. November noch einmal auf jede Menge Tempo, Charme, Esprit und Erotik in der Aula des Schulzentrums freuen kann. Dort hat der Mucher Raumausstatter Bogdan Krakowski mit Unterstützung anderer Theaterverrückter wieder für ein perfektes Bühnenbild gesorgt. Karten gibt es für 12 Euro an der Abendkasse und im Vorverkauf im Schreibwarenladen Klement, Hauptstraße 27. https://www.facebook.com/IsText/

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