Dox statt Dax

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Foto ©Inga Sprünken /inga-spruenken.de

 

 Oldtimer als Wertanlage

Viele Geldanleger haben das Vertrauen in die Banken verloren und orientieren sich zunehmend an Sachwerten. Diese Tatsache sorgt für etliche Neueinsteiger auch in der Sammlerautomobil-Szene. So sind historische Fahrzeuge nicht nur beliebte und schöne Sammlerstücke, sie dienen zunehmend als Wertanlage. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat mit seinem DOX (Deutscher Oldtimer Index) eine Messlatte für die Wertentwicklung von Oldtimer herausgegeben. Grundlage hierfür sind die Daten der auf Oldtimer spezialisierten Sachverständigenorganisation Classic Date. Diese beobachtet den Markt bereits seit 25 Jahren.

In den Index aufgenommen wurden 88 Oldtimer-Modelle aus sieben Ländern. Ausgewertet wurden sie von rund 200.000 über die Classic Data erstellten Gutachten und Bewertungen. Dabei wurden ausnahmslos Nachkriegsfahrzeuge berücksichtigt, um Verzerrungen durch besonders hochwertige Sammlerstücke zu vermeiden. Der Anfangswert des DOX wurde auf 1000 Punkte festgelegt. Das Ergebnis ist erstaunlich: In den letzten zehn Jahren stieg der DOX um 73 Prozent, er liegt demnach aktuell bei 1.732. Das entspricht einer Wertsteigerung seit 1999 um durchschnittlich 5,7 Prozent im Jahr. Dabei sind deutsche Marken wie Mercedes, BMW, Audi, Porsche oder Vorlkswagen der Renner. Deren Index liegt bei 2116 Punkten. Englische Oldtimer liegen bei 1486, italienische bei 1740.

Stetiger Aufwärtstrend

Im Vergleich zum DAX ist beim DOX also ein stetiger Aufwärtstrend ohne große Schwankungen zu verzeichnen. Das macht die alten Klassiker neben Luxusgütern wie Kunstgegenständen und Antiquitäten zu einer seriösen Wertanlage. „Einen Oldtimer kauft man wohl zunächst als Liebhaber eines solchen Fahrzeugs. Dass es zugleich auch ein Objekt der Wertanlage sein kann, spielt dabei aber schon eine wichtige Rolle, weshalb man versucht, immer ein besonders schönes und gut erhaltenes Stück zu bekommen“, sagt Hans Werner Ronneberger. Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater ist Besitzer von drei Fahrzeugen aus verschiedenen Perioden: ein MG TF 1500 von 1954, ein Austin Healey 3000 von 1967 und ein Mercedes 280 SE, 3,5 Cabrio von 1970. „Den MG TF habe ich 2005 bei einem kleinen niederländischen Händler gekauft und mit meinem Sohn dort selbst mit einem gemieteten Autoanhänger abgeholt. Dafür, dass das mein erster Versuch mit Oldtimern war, waren wir ganz schön mutig, aber wir hatten Glück mit dem Händler und ein zuverlässiges gut erhaltenes Fahrzeug erworben“, erzählt der Diplom-Kaufmann, rät aber Interessenten, beim Erstkauf einen Profi an die Seite zu nehmen.

Das sieht auch Mika Hahn vom Meilenwerk in Düsseldorf so: „Ich würde niemals spontan ein Fahrzeug kaufen, sondern mir zunächst eine Option sichern und dann einen Sachverständigen hinzuziehen. Hier im Meilenwerk gibt es ein renommiertes Sachverständigenbüro mit eigener Hebebühne, das ganze Sammlungen bewertet“, verweist der Fachmann auf die ausgesuchte Qualität und den Service der 30 Firmen – darunter Werkstätten und Händler -, die sich seit 2006 auf den 19.000 Quadratmetern eines ehemaligen Ringlokschuppens aus den 30er Jahren auf Oldtimer spezialisiert haben.

Vor dem Kauf eines Oldtimers kann man sich laut Ronneberger über die Preise für die gängigen Typen auch als Newcomer leicht in den vielen Old- und Youngtimerzeitschriften informieren. „Um die Wagen dabei vergleichbar zu machen, werden die Fahrzeuge nach einem Bewertungssystem mit Noten eingestuft. Ein Fahrzeug mit der Note 4 hat deutliche Mängel und ist grundsätzlich überholungsbedürftig, Note 3 bedeutet gut fahrtauglich mit Mängeln, Note 2 nur wenige übliche Gebrauchsspuren bei ansonsten gutem technischen und äußerlichem Erhaltungszustand, Note 1: ohne Mängel im Bestzustand“, erklärt der erfahrene Sammler.

Aber nicht nur die ganz alten Schätzchen sind beliebt. Immer interessanter werden auch die so genannten Youngtimer. Das sind im Gegensatz zu Oldtimern Fahrzeuge im Alter zwischen 15 und 30 Jahren, die durchaus noch alltagstauglich sind. „Diese Fahrzeuge stehen am Anfang ihrer Wertsteigerung und haben ein hohes Potential“, sagt Stefan Allekotte. Mit seiner Firma Fine Classic Cars hat er sich auf ganz bestimmte Modelle von Porsche, BMW und Mercedes spezialisiert. Aus ganz Europa stammen die Youngtimer, die der Händler in sein Angebot aufnimmt. „Bei uns spielen nur Fahrzeuge eine Rolle, die einen sehr guten Zustand und eine einwandfreie Historie aufweisen“, verweist er auf sein wichtigstes Auswahlkriterium. Beispiel hierfür ist ein Porsche 911 Carrera 3,2 aus dem Jahr 1985 mit einer Kilometer-Leistung von 22.000. Partnerwerkstätten überprüfen alle Modelle und dokumentieren den Fahrzeugzustand. „Unsere Kunden erfüllen sich mit dem Kauf eines solchen Fahrzeugs, oftmals einen Jugendtraum“, sagt Allekotte, der viele von ihnen beim langfristigen Aufbau einer Sammlung unterstützt.

 

Mit der roten Nummer auf die Piste

Für viele historische Fahrzeuge lohnt sich eine rote 07er-Nummer. Die konnte man bis zum 28. Februar 2007 für mindestens 20 Jahre und seither mindestens 30 Jahre alte Sammler-Fahrzeuge beantragen. Auf dieses spezielle Wechselkennzeichen können mehrere Fahrzeuge eingetragen werden. Das Kennzeichen wird dann jeweils von einem auf das andere Fahrzeug gewechselt. Zur roten 07ener Nummer gehört ein rotes Heftchen, in welches die Fahrzeuge eingetragen werden. Die Steuer wird pauschal pro Jahr berechnet und beträgt knapp 200 Euro. Der normale Alltags-Gebrauch ist allerdings damit ausgeschlossen, erlaubt sind Probefahrten, Prüfungsfahrten durch Kfz-Sachverständige, Überführungsfahrten, Fahrten zur Wartung und Reparatur sowie die Teilnahme an Oldtimer-Veranstaltungen.

Die gibt es zwischen Frühling und Herbst rund um den Globus. „Besonders angesagt sind inzwischen die Alpenregionen und Norditalien bei Oldtimerbesitzern“, bestätigt auch Hans Werner Ronneberger. Hier gibt es dann Gelegenheit, die Oldtimer dem Publikum vorzuführen. Bei den Oldtimerrallyes können sich die Liebhaber mit ihren Klassikern nicht nur präsentieren, sondern müssen auch verschiedene Aufgaben bewältigen (Orientierungsfahrten oder Gleichmäßigkeitsprüfungen). Zu den bekanntesten auf internationalem Niveau gehört die Mille Miglia in Italien, die Anfang Mai stattfindet. Weitere große sind die Sachs Franken Classic in Deutschland, die Flying Scotsman in Großbritannien oder die Silvretta-Classic und Ennstal-Classic in Österreich.

Aber auch für Youngtimer gibt es spezielle Ralleys. Die bekannteste ist die Creme 21, die der Youngtimer Club in Oldenburg vom 15. bis 19. September ausrichtet. Das Pendant dazu ist die Creme21 Austria, die von 1. bis 3. Juli in Österreich stattfindet. Infos zu den Veranstaltungen im Raum Köln-Bonn gibt es gesondert im Kasten.

 

Terminauswahl:

 

22.03.2015: Oldtimertreffen Stadthalle Attendorn

  1. – 19.04.2015: 27. Techno-Classica 2015, Essen, Nordrhein-Westfalen

19.04.2015: Oldtimertreffen Innenstadt Attendorn, Kölner Straße, Nordrhein-Westfalen

26.04.2015: Internationale Rhein-Erft-Rallye 2015, Grevenbroich – Schlossplatz, Nordrhein-Westfalen

01.05.2015: 1. Mai Young-Oldtimertreffen Neuwied 2015, Neuwied – Langendorferstrasse, Rheinland-Pfalz

02.05.2015: 14. touristische Ausfahrt um den Caracciola Cup 2015, Bonn – Rude-Krüzche-Weg, Nordrhein-Westfalen

09.05.2015: Oldtimer Sauerlandrundfahrt 2015, Brilon, Nordrhein-Westfalen; ADAC/KRC-Seenfahrt Historic „Frühlingserwachen im Sauerland“, Kierspe – Osemundstraße, Nordrhein-Westfalen

10.05.2015: Oldtimer-Youngtimer-Treffen in Kerpen, Kerpen – Hahnenstraße, Nordrhein-Westfalen

19.07.2015: 14. RGO Flugplatzslalom, 58540 Meinerzhagen

31.07. – 02.08.2015: 10. Classic Days auf Schloss Dyck , 41363 Jüchen

28.11. bis 6.12.2015: Motorshow Essen in 45131 Essen

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